MITTELDEUTSCHE ZEITUNG ASCHERSLEBEN ALN FREITAG, 14. NOVEMBER 2014 9



Das Chassis für eine Biegepresse entstand bei der Anlagentechnik Aschersleben und wird per Schwerlasttransport zu Schiess auf der anderen Straßenseite transportiert. FOTO: FRANK GEHRMANN

Schwergewicht schwebt ein

LOKALE WIRTSCHAFT Zwei Ascherslebener Firmen arbeiten gemeinsam an einem 180-Tonnen-Werkstück für einen großen Kunden in der Schweiz.
  • Anlagentechnik Aschersleben besteht seit neun Jahren. Derzeit arbeiten hier 65 Mitarbeiter. Mehrfach mussten die zwei neu gebauten Werkhallen, für die auch Mittel der Europäischen Union flossen, schon erweitert werden. Derzeit wird eine Produktionsfläche von mehr als 10000 Quadratmetern genutzt.



    ATA ist ein mehrfach zertifiziertes Unternehmen. So ist die Firma zertifizierter Schweißbetrieb. Maschinenbau, Anlagentechnik und Sondermaschinenbau, auch in XXL-Größe, sind die Stärke von ATA, die im Verbund mit ATB Anlagen Technik Bielefeld agiert. Der Firmenverbund zählt über 100 Mitarbeiter. Selbstbewusst heißt der Slogan: „ So schnell wird uns nichts zu schwer“.



    Der Betrieb engagiert sich vorrangig im Schwermaschinen- und Stahlbau. Die meisten Kunden stammen aus Deutschland. Doch letztlich ist ATA nur Zulieferer. Die fertigen Maschinen ihrer Kunden finden sich um den Erdball verteilt; in Belgien ebenso wie in China oder Australien.



    Zum ATA-Lieferprogramm zählen Teile für den Maschinen- bau, für Automobil-, Papier-, Holz- und Textilmaschinenindustrie, Stahlkonstruktionen, Brückenteile, Getriebegehäuse, Pressen, Maschinenuntersätze, Ständerwerke und Traversen.



    Im ATA-Glühofen ist spannungsarmes Glühen von Teilen bis zu 160 Tonnen Stückgewicht und einer Größe von sieben mal fünf mal 13 Metern möglich. Dazu kommt das Sandstrahlen und der Korrosionsschutz von Schwerbaugruppen.




    UK
  • VON UWE KRAUS

    ASCHERSLEBEN / MZ - Runde 300 Meter und doch mehrere Stunden liegen zwischen den Hallentoren der Anlagentechnik Aschersleben (ATA) und von der Firma Schiess. Doch ein 180 Tonnen schweres Werkstück schiebt man nicht so einfach über den Hof. Um 8 Uhr rollt gestern der Schwertransporter der Firma Pieper an. „Wir kommen gerade aus Jena, da haben wir eine Brücke hingebracht“, erzählt Projektmanager Marco Engelhardt.
    „Wir überführen das schwerste, je bei ATA gebaute Werkstück in die Werkhalle nebenan“ , erklärt er. „Aber bis dato das größte Stück hat unsere Firma hier auch rausgefahren.“ Er schreitet mit seinen vier Mitarbeitern den Transporter ab.
    „Vier, sieben und acht Achsen, auf insgesamt 15 verteilt sich die Masse, die auch die beiden Fahrwerke auf Distanz hält.“ Am Haken hängt ein riesiges Teil, das mit dem Hallenkran zentimetergenau auf den Schwertransport abgesenkt wird. Thorsten Gerling vom Transportunternehmen und ATA-Mitarbeiter Michael Wenzel messen immer wieder nach, damit der Brocken gleichmäßig aufliegt. Der Portalkran hebt das Werkstück nochmals leicht an. Dann schallt es durch die Halle: „Passt!“

    Thorsten Gerling und Michael Wenzel leisten Millimeterarbeit. FOTO: F. Gehrmann
    Da Bauteil wird mit schweren Ketten gesichert. FOTO: Frank Gehrmann
    Wenig später legen die Männer dem Chassis Ketten an, um das teure Teil für seine kurze Reise zu sichern. Die Vorarbeit nimmt die meiste Zeit in Anspruch, dann sind nur noch Fahrkünste gefragt.
  • „Bei den vielen Drehpunkten ist richtiges Lenken das A und O“, fügt Marco Engelhardt an. „Dabei hat der Zieher die Hosen an“, erläutert er. „Hinten fährt dann der Schieber. Den benötigen wir aber heute nicht. Wir haben ja schon 2000-Tonnen-Transporte abgewickelt, da wird das schon mal nötig.“ Ganz langsam bewegt die Zugmaschine die zwei Fahrwerke voran. Bedächtiger als jeder Fußgänger nähert sie die Mega-Last der Schiessstraße, auf der für die Überquerung andere Fahrzeuge kurz verharren mussten. Denn wer will es mit so einem rollenden Koloss schon aufnehmen. Keine halbe Stunde später parkt der Transporter in der Halle nebenan ein.
    Klaus Robra, bei ATA für Arbeitsvorbereitung zuständig, verfolgt in Halle 6 das Aufladen und später das Herunterladen des Schwergewichtes in der Schiess-Halle mit Argusaugen. Denn dort muss sogar ein 250-Tonnen-Mobilkran von Brandt und Wangler aus Magdeburg ran, weil die Schiess-Hallenkräne für das Bauteil nicht reichen.
    „Um das alles sicher hinzukriegen, wird der Kran aufballastiert“, erklärt Gero Schwermer, dessen Kran 60 der 180 Tonnen „übernimmt“. Klaus Robra ist seit 18. September 2005, dem ersten ATA-Tag, im Unternehmen. „Wir hatten schon Teile mit 135 und 120 Tonnen, das heute wiegt am meisten, aber ich habe schon Stücke bei uns gehabt, die waren so groß, dass wir die Hallentüren ausgebaut haben, um sie zum Kunden zu bringen. “ Norbert Buschmeier, der Geschäftsführende Gesellschafter von ATA, verweist auf die Abmessungen des Teils für eine Biegepresse. „Fast fünf Meter breit und 21,5 Meter lang. Firmen, die das bearbeiten können, sind in der Region nicht eben dichtgesät. “Von der Auftragserteilung bis zur Auslieferung an den Kunden werde es reichlich zehn Wochen dauern. Das Komplettpaket von ATA umfasst die einbaufertige Herstellung. „Wir haben dafür sehr viele Schweißstunden hinter uns. Nun rückt das Teil zu Schiess, um auf dem Portalfräswerk mechanisch bearbeitet zu werden.“
    Ausdrücköich lobt der Geschäftsführer die anspruchsvolle Arbeit seiner Mitarbeiter. „Die Kunden erwarten von uns eine präzise Fertigung.“ Der Kunde aus der Schweiz wird es dann im Dezember in Empfang nehmen, um es auf der Elbe dann dorthin zu befördern, wo die Biegepresse zum Einsatz komme.
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